Schläge in der Kindheit: Was bleibt, wenn alles vorbei ist und trotzdem nie vorbei ist

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⚠️TRIGGERWARNUNG⚠️

Ich bin Alex, 34 Jahre alt. Ich hatte eine Kindheit, über die ich nie sprechen wollte. Mittlerweile weiß ich, dass Schweigen kaputt macht. Deshalb schreibe ich das hier auf. Vielleicht für andere, vielleicht für mich.

Ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der nicht wusste, was Liebe ist. Was ein Kind braucht. Was Nähe bedeutet. Was er konnte, war Gewalt. Einschüchterung. Kontrolle. Strafe. Er hat mich geschlagen. Nicht im Affekt, sondern geplant. Mit dem Gürtel. Mit der flachen Hand. Mit Worten, die heute noch wirken. Für Dinge, die keine Bedeutung hatten. Für Fehler, die keine waren. Für Gefühle, die nicht erwünscht waren. Mein Spielzeug hat er kaputt gemacht, oft mit voller Absicht, nur um Macht zu demonstrieren.

Meine Mutter stand daneben. Still. Überfordert. Manchmal hat sie etwas gesagt. Meistens nicht. Ich war allein. In einem Haus mit zwei Erwachsenen, die mich nicht geschützt haben.

Ich wurde mit sechs Jahren diagnostiziert. Autismus und ADHS. Mein Vater hat das nie akzeptiert. Für ihn war das keine Erklärung, sondern Schwäche. Er hat mich abgewertet. Bis zum Schluss. Ich war ihm peinlich.

Als er gestorben ist, war ich traurig. Nicht um ihn. Sondern um das Kind, das ich einmal war. Gleichzeitig war ich erleichtert. Der Mann, der mich gebrochen hat, war weg. Kein Druck mehr. Kein Schreien. Kein Hass. Kein Zerstören. Ich wusste, dass ich nichts mehr zu erwarten hatte. Und trotzdem war es kein Sieg. Nur Stille.

Heute bin ich Vater. Ich habe drei Kinder. Ich schlage nicht. Ich verletze nicht. Ich versuche, ihnen zuzuhören. Ich begleite sie. Ich erkläre. Und ja, manchmal werde ich laut. Manchmal ist der Druck zu groß. Aber ich verliere nicht die Kontrolle. Ich tue ihnen nicht weh. Ich entschuldige mich. Ich lerne. Ich mache es anders als mein Vater.

Trotzdem bleibt etwas. Ich funktioniere. Ich versorge. Ich arbeite. Aber ich fühle kaum. Die Fähigkeit, Emotionen zuzulassen, wurde mir abtrainiert. Systematisch. Ich lebe, aber oft ohne Verbindung.

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe, weil es Menschen geben muss, die das verstehen. Menschen, die wissen, wie es ist, wenn der eigene Vater der Täter war. Wenn das Zuhause nie sicher war. Wenn man noch Jahre später innerlich zusammenzuckt, obwohl niemand mehr zuschlägt.

Alex
 
Hallo zusammen 🙏🏽 diese Art von Erziehung habe ich tatsächlich auch erlebt, mein Vater war was das angeht nicht von der feinen englischen Sorte und Alkoholiker. Ich möchte was das betrifft auch nicht weiter ins Detail gehen, jedoch kann ich das sehr gut nachvollziehen und wünsche jedem dass er oder sie es irgendwann schafft, diese Erinnerungen inbeinen Tresor ganz weit weg zu packen. In der Psychologie gibt es hierfür sogar mehrere Übungen die diese Thematik aufgreifen um diese zu verstauen 🙏🏽
 
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